Authentisch sein. Frau mit kleinem Hund. - MathiasFritzen.ch

Menschen, die authentisch sind, haben oft eine magische Anziehungskraft. Doch authentisch zu sein ist garnicht so einfach. Oder doch? Werfen wir einen Blick auf die Chancen, Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen.

 

Was bedeutet es authentisch zu sein?

Authentizität bedeutet soviel wie Echtheit. Allerdings nicht im objektiven, sondern im subjektiven Sinne. Was ich vertrete und wofür ich stehe ist ja meine eigene, subjektive Perspektive. Sie ist nicht objektiv für jeden gültig. Das muss ganz klar sein. Authentisch ist, wenn ich meine eigene, subjektive Perspektive möglichst ungefiltert kommuniziere und verkörpere.

Authentizität polarisiert. Der Grund dafür ist einfach: Authentische Menschen vertreten ihre eigenen, echten Überzeugungen und werden damit greifbarer. Es ist leichter, sich mit ihnen zu identifizieren – sich in sie oder ihn hineinzuprojizieren. Vorausgesetzt, die Einstellung ist mit der eigenen kompatibel. Wenn das nicht der Fall ist, eckt man eben auch gerne mal an.

Authentisch sein hat übrigens nichts damit zu tun, ob ein Mensch besonders freundlich und nett ist. Auch unangenehme Menschen können authentisch sein.

 


 

Podcast on BULLSHIT-FREE LIVING - MathiasFritzen.com

In Episode 16 unseres Podcasts (englischsprachig 🇺🇸) haben wir uns ebenfalls mit dem Thema Authentizität beschäftigt. In der kompakten 15-minütigen Episode »Show up and own it« gehen Alma und ich der folgenden Entdeckung nach: So aufzutreten, wie du wirklich bist, ist letztendlich doch der leichtere Weg. 

Episode anhören

 


 

Scheinheiligkeit. Heuchelei. Fake.

Mal ehrlich, ihr kennt bestimmt Menschen, die versuchen, es allen recht zu machen. Je nach Situation passen sie sich an. Sie sind oft nicht so leicht greifbar, ecken weniger an, erleben aber auch weniger intensive Verbindungen mit anderen.

Manchmal wird dieses Verhalten abfällig als fake bezeichnet. Nun bin ich der Überzeugung, dass wir Menschen alles (auch das vermeintlich negative) aus gutem Grund tun. Was können also gute Gründe dafür sein, sich zu verstellen?

Einige der häufigsten Gründe nicht authentisch zu sein sind wahrscheinlich:

• Angst vor Ablehnung/Konfrontation
• Bedürfnis nach Bestätigung/Anerkennung
• Angst vor (dem Kontakt mit) sich selbst

Wir verstellen uns, weil wir uns schützen wollen. Oftmals passiert das unbewusst. Tatsächlich wird es in weiten Teilen der Gesellschaft genau so vorgelebt und anerzogen.

Wir Menschen lernen schon sehr früh, was man darf und was nicht. Wir lernen zum Beispiel, welche Rolle man am besten für Papa spielt um Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen und welche für Mama.

Das funktioniert allerdings nur für eine gewisse Zeit und es hat starke Nebenwirkungen. Schauen wir sie uns genauer an:

 

Nicht authentisch leben – die Nebenwirkungen

Probleme bei anderen zu finden fällt meist leichter, also fangen wir mal damit an. Stellt dir vor, du (ME) unterhältst dich mit zwei Freunden. Die blauen Pfeile symbolisieren deine Sicht auf den jeweilige Menschen. Hier sind wir schon direkt beim Problem angelangt! Welcher Mensch? Wir erkennen niemanden. Wir sehen nur die Maske/Rolle, die uns diese Person zeigt. In der Zeichnung werden die Masken/Rollen durch schwarze halbrunde Linien gekennzeichnet.

Authentisch sein. Ich. - MathiasFritzen.ch

Die nächste Zeichnung zeigt JIM und JOE und ihre Sicht auf uns. Auch sie sehen uns nicht so, wie wir wirklich sind, sondern die Maske/Rolle, die wir ihnen zeigen. Tatsächlich erscheint ihnen sogar jeweils eine andere Version von uns. Das kommt nicht selten vor! Stell dir vor, du würdest deine Familie, deine Arbeitskollegen und deine Yogaklasse auf ein und dieselbe Party einladen. Wenn sich deine Mutter dann zusammen mit deinem Chef und deiner Yogalehrerin über dich unterhalten, dann kann das schnell unangenehm werden. Warum? Weil sie unter Umständen alle andere Stories bzw. andere Versionen von dir kennen.

Authentisch sein. Die anderen. - MathiasFritzen.ch

Wenn wir beide Zeichnungen kombinieren, nehmen wir entweder eine Welt wahr ohne echte Verbindungen und Authentizität – niemand kennt niemanden. Oder wir sehen eine authentische Welt voller echter Verbindungen, in der jeder so ist wie er ist.

Nebenwirkungen des nicht authentischen Lebens können zum Beispiel sein:

• Burnout (es ist unfassbar anstrengend Masken/Rollen aufrecht zu erhalten)
• fehlende Verbindung zu sich selbst (Antriebslosigkeit)
• fehlende Verbindung zu anderen (Einsamkeit)
• ein Leben, dass sich nicht nach »dem eigenen« anfühlt
• Fehlende Inspiration, Impulse (Gleichgültigkeit)

 

Authentisch leben

Authentisch werden, authentisch sein, authentisch leben ist zwar riskant aber es gibt keine echte Alternative. Was meine ich damit? Naja, nicht authentisch zu sein wird irgendwann auf persönlicher Ebene extrem langweilig und auf gesellschaftlicher Ebene extrem schwierig. Jeder von uns ist ein wichtiges Element innerhalb eines gigantischen Netzwerks. Wenn wir nicht so sind, wie wir wirklich sind und nicht sagen, was wir wirklich denken, dann übernehmen andere Elemente die Kontrolle über uns. Wollen wir das wirklich? Es ist unsere Entscheidung.

Dr. Jordan Peterson formuliert es im folgenden Video so: It is not safe to speak and it never will be. But you have to keep in mind that it’s even less safe NOT to speak. (Sinngemäß: Es ist niemals sicher sich auszudrücken und es wird auch niemals sicher sein. Du darfst aber nicht vergessen, dass es noch unsicherer ist sich NICHT auszudrücken.)

 

Eine Einladung authentisch zu sein und einige Tipps

Wenn du garnicht weißt, was deine eigene Ansicht eigentlich ist, verbinde dich wieder mit deiner Intuition. Deine Aufmerksamkeit liegt wahrscheinlich zu sehr im Außen, zu sehr bei allen anderen und nicht bei dir selbst. Lenke sie zurück auf dein tiefstes Inneres. Meditation oder ein Tagebuch führen können ein guter Start sein. Frag dich zum Beispiel: Was brauche ich eigentlich? Was fühle ich eigentlich? Was möchte ich eigentlich?

Wenn du nicht authentisch bist, es aber gerne werden möchtest, fang’ klein an. Gehe erste Schritte in deinem eigenen Tempo. Zeig dich und deinen Standpunkt einem vertrauenswürdigen Freund oder Partner und bitte um Mitgefühl für den vielleicht holprigen Start. Schaffe einen Raum, der dich fördert und fordert. Beschäftige dich zum Beispiel mit radikaler Ehrlichkeit oder Circling – das unterstützt dein Selbstbewusstsein und bringt dich in Kontakt mit anderen Menschen.

Wenn du schon authentisch bist, reiche denjenigen die Hände, die sich noch nicht trauen offen zu sprechen. Höre zu was sie zu sagen haben. Wertfrei. Mach’ ihnen das Geschenk gehört zu werden und nicht dafür verurteilt zu werden, was sie zu sagen haben. Das vermittelt Selbstvertrauen und fördert Authentizität. Übrigens ist man hier nie fertig. Die innere Ausrichtung mit der eigenen Wahrhaftigkeit ist ein fortwährender Prozess des Feintunings.

Am Ende des Tages führt gelebte Authentizität zu Verbundenheit, Austausch, Wachstum und Liebe. Kleine Kinder machen es uns vor. Sie haben es zum Glück noch nicht anders gelernt.

All das ist simple but not easy.
Aber es lohnt sich.

 

Authentisch sein live

In Zusammenarbeit mit meinen ehemaligen Coaching-Schülern Alma und Emanuel bieten wir ein Format an, in dem man die eigene Authentizität auf die Probe stellen kann. Wöchentlich, Online und unter dem schönen Titel Tuesday is Truthday. Wir freuen uns, wenn wir dich bei einer der Drop-In Sessions begrüßen dürfen! Unter www.truthday.ch kannst du mehr erfahren.

Tuesday is TRUTHDAY - MathiasFritzen.com

 

Article - Portrait Mathias - MATHIASFRITZEN.COM

 

 

 

*Titelbild von Sharon McCutcheon via unsplash.com

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